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Das Ende einer Ära? Nein, Gutes bleibt …

André Petras veröffentlichte letzte Woche einen Blogbeitrag mit dem Titel „Ist es Zeit für die Ära nach Hichert?“, den ich nicht unkommentiert stehen lassen will …

Vom Ende einer Ära spricht man allgemein beim Ausscheiden einer Person aus einem Amt, die einen bestimmten Bereich maßgeblich geprägt hat (Wikipedia).
Nun, da Rolf Hichert sein Konzept unter eine Creative Commons Lizenz gestellt hat und die Weiterentwicklung der SUCCESS-Regeln dem IBCS Verein – IBCS steht für International Business Communications Standards – übertragen hat, sind erste Schritte in Richtung Altersteilzeit getan. Aber ist das das Ende einer Ära? Nein! Rolf Hichert hat die Visualisierungsszene mit seinen Ideen im deutschsprachigen Raum maßgeblich geprägt, aber gute, aussagekräftige Visualisierung entwickelt sich ständig weiter. Warum sollten wir auch „in einer Zeitrechnung nach Hichert“ angekommen sein und wie sollte diese aussehen?

Regeln für gute Visualisierung sind zeitlos und überdauern modische Trends. Beste Beispiele hierfür sind die Bücher von Willard Cope Brinton aus dem Jahre 1914 „Graphic methods for presenting facts“ und von Edward Tufte „Visual Display of Quantitative Information“ von 1983.

Gerne hätte ich auch Beispiele für die Aspekte, die in den IBCS „nicht mehr modern und zeitgemäß“ sein sollen. André beschreibt sein Erstaunen über die „Wirkung [von] Charts und Visualisierungen nach Hicherts IBCS Notationen auch heutzutage noch auf ein fachkundiges BI Auditorium“. Anders als für André ist es für mich auch nicht verwunderlich, dass ein Vortrag über die IBCS und Notationsstandard einen Aha-Effekt auf das Publikum hat. Aus meiner Erfahrung sind vielen Controllern und BI-Experten die Möglichkeiten aussagekräftiger Berichtsgestaltung noch nicht bekannt – insbesondere außerhalb des deutschsprachigen Raums. Klar, so lange wir uns in unserer Szene bewegen, sind die IBCS bekannt, aber ich denke es ist eine typische „Verfügbarkeitsheurisitik“ , dass jeder Zahlenwerker IBCS kennt. Schön wär’s …

Demgegenüber kann ich dem Rat von André „Verpasst euch selber kein zu enges Notationskonzept!“ uneingeschränkt zustimmen. Wenn auch vermutlich aus einem anderen Beweggrund. Für mich gilt für alle Disziplinen eines BI-Projektes „Think big, start smart“. Ich empfehle daher immer, mit einer einfachen Notation zu beginnen. Die Berichtsempfänger werden sich über die Zeit mehr und mehr Standardisierung wünschen, weil die Vorteile immer deutlicher hervortreten. Die Zeiten, wo mit 1000 Worten ein Diagramm in einem Projekt-Meeting erklärt wurde, sind vorbei. Das bedeutet aber auch, dass Kreativität in der unternehmensinternen Berichterstattung – hier geht es um Transparenz und Entscheidungsunterstützung – keinen Platz hat. Richtig, an dieser Stelle sind die IBCS „streng und engen die persönliche Kreativität ein“.
Auf die willkürliche Verwendung von Farben und Formen wird hier bewusst verzichtet: Information statt Dekoration!

Meine Berichte sollen bitte „trist und öde“ und „gleich“ aussehen, wenn Sie Ihren Zweck erfüllen und mich so informieren, dass ich fundiert Entscheidungen treffen kann. Den „Wow-Effekt“ hebe ich mir für’s Marketing auf …

Ein Ende der „Ära Hichert“ wäre auch ein Ende der Ära Tufte, Few, Cairo, Chalabi, Camoes und all der anderen die aussagekräftiges – schmuckloses – Information Design propagieren … hier befinden wir uns noch am Anfang.

The best,
Unterschrift

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