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SUCCESS in den Printmedien (2/2)

Im ersten Teil meines Beitrags zu SUCCESS in Printmedien hatte ich mich mit STRUCTURE und SAY als Regelbestandteile von SUCCESS auseinander gesetzt. Heute möchte ich die grafische Darstellung des Artikels aus der Frankfurter Rundschau (FR) einer genaueren Analyse unterziehen.

Es geht um UNIFY, CONDENSE, CHECK und SIMPLIFY. Was steht hinter diesen Begriffen, die mit SAY, ENABLE und STRUCTURE zusammengesetzt das Akronym SUCCESS bilden?

  • UNIFY – UNIFY verfolgt das Ziel der Vereinheitlichung von Elementen: Gleiches wird gleich dargestellt. UNIFY erhöht so die Verständlichkeit von Diagrammen. Legenden können weitestgehend vermieden werden.
  • CONDENSE – Analysieren heißt Vergleichen! Das ist jedoch nur möglich, wenn mir viele Informationen gleichzeitig angeboten werden – die Informationsdichte mithin hoch ist.
  • CHECK –  Hier geht es um die Auswahl des richtigen Diagramms und dessen korrekte Anwendung. Insbesondere Skalierungsfragen werden an dieser Stelle adressiert.
  • SIMPLIFY – „Rauschen“ und „Nebengeräusche“ vermiesen den Musikgenuss. Auch in Diagrammen und Grafiken sollten wir diese auf ein Minimum reduzieren: (3D-)Effekte, Schatten, Hilfslinien, Farbverläufe und ähnliches lenken ab und vermindern die Qualität der Darstellung.

Abb. 1: Originalgrafik aus der FR

Betrachten wir zunächst die Original-Grafik in Abbildung 1 vor dem Hintergrund dieser vier Grundsätze etwas genauer:

  • Die blaue Formatierung der Diagrammsäulen scheint willkürlich. Alle Kennzahlen werden gleich mit blauen Elementen dargestellt.
  • Auf einer Fläche von 280×480 Pixel sind gerade mal 4 Geschäftszahlen des aktuellen Quartals im Vergleich zu dem des Vorjahres zu sehen. Ganze 8 Informationen! Trends und Muster sind auf Basis dieser paar Zahlen nicht ableitbar.
  • Die Skalierung der Diagramme ist nicht einheitlich. Das ist ein schwieriges Thema, aber wenigstens für die Kennzahlen Umsatz und Operatives Ergebnis könnte eine identische Skalierung angewendet werden. Gut ist allerdings, dass die Wertachse nicht manipuliert ist: alles Säulen beginnen bei Null!
  • Die gestrichelten Hilfslinien helfen nicht und sind unnötig. Die grauen Hintergründe und die fetten Schrifttypen lenken ebenfalls ab und erzeugen unnötiges „Rauschen“.
  • Außerdem  bin ich der Meinung, dass 3 Ziffern für die Datenbeschriftung an den Säulen ausreichend sind. Zwei Dezimalstellen sind unnötig, ebenso wie die 4stelligen Millionenbeträge des operativen Ergebnisses.

Zusammengefasst: Auch die Diagrammgestaltung entspricht nicht dem SUCCESS-Regelwerk.

Ich würde gerne ein Gegenbeispiel zur Diskussion stellen. Mein Ziel: Auf gleichem Raum eine aussagekräftigere Darstellung hinzukriegen – natürlich erstellt mit dem graphomate Addon für Xcelsius – allerdings in der Enterprise-Version, die ab Juli 2011 verfügbar sein wird.

Abb. 2: SUCCESS-konformer Gegenentwurf mit Xcelsius und graphomate Addon

Mein Gegenentwurf ist in Abbildung 2 abgebildet. Was habe ich verändert?

  • SAY: Das Diagramm hat eine Botschaft „Telekom: Konzernergebnis bricht um mehr als ein Drittel ein“, die durch den roten Pfeil unterstützt wird.
  • CONDENSE: Durch die zusätzlichen Quartale für Vorjahres- und Planwerte, die frei erfunden sind, ist die Informationsdichte wesentlicher höher. Entwicklungen und Trends sind nun zu erkennen.
  • CONDENSE: Auch die Kategoriebeschriftungen an den Achsen werden nur einmal ausgewiesen; das spart Platz!
  • CHECK: Außerdem stelle ich das operative Ergebnis als Bestandteil des Umsatzes dar. Die identische Skalierung ermöglicht einen Vergleich in Relation zueinander.
  • SIMPLIFY: Vorjahresbeschriftungen unterdrücke ich bewusst: Wen interessieren konkrete Vergangenheitswerte? Es geht um den Trend!
    Weiterhin ist eine Datenbeschriftung länger als drei Ziffern und auf Hilfslinien und farbige Hintergründe verzichte ich komplett.
  • UNIFY: Ich verwende eine einheitliche Notation! Das Vorjahresquartal wird grau, das aktuelle Quartal schwarz und zukünftige Quartale schraffiert auf der Achse abgebildet. Auch die Kennzahlen werden mittels unterschiedlicher Säulenfarben und -breiten bzw. einem weiteren Diagrammtyp – der Linie – abgebildet. Ihre Darstellung wird also vereinheitlicht!

Zwei Aspekte sind mir besonders wichtig: die verdichtete und vereinheitlichte Darstellung!

Durch die Verdichtung kann sich der Leser nun „ein Bild machen“. Noch kein wirklich umfassendes, dazu bedarf es weiterer Kennzahlen, aber ein besseres, da mehr Informationen visualisiert werden. Ich persönlich würde die Entwicklung des Gewinns pro Aktie der Entwicklung der Beschäftigtenzahl gegenüberstellen – zwei wichtige „Stakeholder“ (Interessengruppen) eines Unternehmens.

Aber wie wäre es, wenn sich die Zeitungsmacher tatsächlich durchringen könnten, eine Notation für die abzubildenden „Datenarten“ in der Achse der Diagramme umzusetzen. Wenn der Leser nach einer Eingewöhnungszeit direkt an der Formatierung der Achsen erkennen könnte, welches aktuelle Werte und welches Planwerte sind. Und dann in einem zweiten Schritt die Formatierung der Kennzahlen vereinheitlicht würde: Umsätze dunkelgrau, das operative Ergebnis fast schwarz, das Konzernergebnis hellgrau und die Mitarbeiterentwicklung immer als Linie. Oder auch anders, nur eben einheitlich.

Scheint das umsetzbar? Wahrscheinlich schwierig, aber wer weiß … Landkarten lesen wir ja mittlerweile auch ohne Legende!

the best, Lars

 

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