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Check: Das Ende der Krise – kostenfrei visualisiert

Die Krise ist überwunden und die größten deutschen Konzerne im DAX nehmen wieder richtig Fahrt auf. Gestern fischte ich einen entsprechenden Bericht der dpa aus meinem „zu lesen“-Ordner, der im November durch den deutschen Gazettenwald ging.

Da freut sich der Aktienanalyst und die Presse überschlägt sich in Ihren Kommentaren:

  • „Wirklich sensationell!“
  • „DAX-Konzerne starten durch.“
  • „Die Gewinne explodieren geradezu.“

Der Artikel selbst natürlich voller (Prozent-)zahlen, aber auch garniert mit einem Diagramm, das meine Aufmerksamkeit auf sich zog.

Abb. 1: Originaldiagramm

In zwei Säulendiagrammen werden Umsatz und Gewinn des 3. Quartals 2009 und 2010 von 28 der 30 DAX-Konzern miteinander verglichen. Auf den ersten Blick gefiel mir das Diagramm richtig gut, aber dann spürte ich wieder dieses Unbehagen: Gibt es hier ein Skalierungsthema?

Es gibt! Zwar sind die beiden Säulen der einzelnen Darstellungen korrekt skaliert, aber die Diagramme sind untereinander nicht vergleichbar. Obwohl  der Gewinn 2010 etwa um den Faktor 20 kleiner ist, entspricht die Säulenhöhe des Gewinns der Umsatzsäule. Damit ist es leider vorbei mit der visuellen Vergleichbarkeit.

Visuelle Vergleichbarkeit setzt eine identische Skalierung voraus

Ich bin ein Skalierungspurist im Sinne der SUCCESS-Regel CHECK und vermeide ungleiche Skalen – insbesondere bei Säulen- und Balkendarstellungen. Das Auge hat keine Chance Gewinn- und Umsatzhöhe in Relation zu vergleichen!

Auf der anderen Seite kommt natürlich schön deutlich raus, dass die Gewinnsteigerung dreimal so hoch ist wie der Umsatzsprung im gleichen Zeitraum. Aber: Dies wird auch deutlich durch die angegebenen Prozentzahlen und Pfeile. Letztere hätte man auch mit einer entsprechenden Steigung abbilden können, um die unterschiedliche prozentuale Entwicklung zu unterstreichen.

Daneben gibt es noch ein paar Kleinigkeiten, die mir missfallen:

  • Die Säulen haben verschiedene Farben, wofür noch die beigen Füllungen über die Jahre?
  • Während die Umsätze in Mrd. Euro mit zwei Kommastellen dargestellt werden, sind die Gewinne in Mio. Euro ohne Kommastelle abgebildet.
  • Auf den ersten Blick ging ich davon aus, dass es sich um einen Jahresvergleich handelt. Erst nach genauerer Betrachtung erkannte ich, dass es sich um einen Vergleich des 3. Quartals handelt.

OK, wir haben Pressefreiheit …

Ein Gegenentwurf zum Runterladen für die Free-Version unseres Addons

Meckern ist eine Sache, besser machen eine andere. Also setzte ich mich hin und entwarf eine Darstellung mit der Free-Version unseres graphomate Addons:

  • Ich stelle den Gewinn als Bestandteil des Umsatzes dar.
  • Die Veränderung in Prozent wird durch die Nadeln zwischen den Säulen abgebildet.
  • Skalierung und Beschriftung sind einheitlich.

Abb. 2: Überarbeitetes Diagramm

Zugegeben: ich drehe die Free-Version ziemlich durch den Fleichwolf – hier finden Sie das Xcelisus File zum Nachvollziehen – aber Umsatz und Gewinn können richtig im Zusammenhang betrachtet werden.

Viel hilft viel!

Dennoch bleibt ein großes Manko: Es ist keine Entwicklung zu erkennen! Dazu müssten viel mehr Quartale gezeigt werden. Es gilt die CONDENSE-Regel von SUCCESS. Niemand kann sich durch den Vergleich zweier Quartale ein vernünftiges Bild machen.

Wohin uns die vereinfachte Kredit-Bewertung in Form von Rating-Noten – AAA bis D o.ä. – der Herrschaften von Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch gebracht hat, haben wir erlebt. Genau so wenig gehören Ampeln in (Management-)Berichte!

the best, Lars

 

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